Es ist schon ziemlich erschreckend, wenn man sich Zahlen zum Sport- und Bewegungsverhalten der Gesellschaft anschaut. Gerade einmal jedes 4. Kind oder Jugendliche schafft die Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation von 60 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag (Manz et al., 2014). Jeder 3. Erwachsene hat in den vergangenen drei Monaten gar kein Sport getrieben. Nur jeder 4. im Alter von 65 Jahren oder älter bewegt sich mehr als die geforderten 150 Minuten pro Woche (Robert-Koch-Institut, 2014). Diese Fakten sprechen eine eindeutige Sprache und zeigen eindrucksvoll, dass wir in unserem alltäglichen Leben schleunigst was ändern müssen. Doch woran liegt es, dass wir uns so wenig auf die Beine machen? Und was kann man dagegen unternehmen?

Zur Ursachenforschung könnte man sich den Tag eines Büroarbeiters anschauen. Morgens um 6 Uhr aufstehen, mit dem Auto zur Arbeit fahren, im Büro acht Stunden arbeiten, mit dem Auto nach Hause fahren und abends nach dem Essen uns auf die Couch legen. Tag ein, Tag aus. So sieht vielleicht der klassische Arbeitstag von dem ein oder anderen aus. Tatsächlich arbeiten rund 2,2 Mio. sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Deutschland im Büro oder Sekretariat und es werden jährlich mehr (Statista, 2023). Dass die Büroarbeit aber überhaupt nicht gesundheitsfördernd und artgerecht für uns Menschen ist, wissen viele nicht. Dauersitzen macht krank!

Wir sitzen im Auto, im Bus, in der Bahn, im Büro und im eigenen Heim. Einfach überall. Nicht nur der Beruf spielt eine wichtige Rolle, sondern auch das Alter und der soziale Status. Je älter wir werden, desto weniger bewegen wir uns. Je niedriger der sozialökonomische Status einer Person ist, desto weniger wird sich bewegt. Diese Komponenten müssen wir beachten, wenn wir das Problem angehen wollen.

Warum ist denn Bewegungsmangel für unsere Gesundheit so schädlich? Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung führen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und diese sind Todesursache Nr. 1 in Deutschland! Durch den Mangel an körperlicher Aktivität nimmt außerdem unser Muskelgewebe ab, wodurch unsere Muskulatur in allen Körperbereichen abschwächt. Die Gefahr von Bluthochdruck steigt. Wir werden anfälliger für psychische Probleme, wie z. B. Despressionen. Wir nehmen Haltungsschwächen ein, die zu Haltungsschäden führen. Vielleicht hatte der ein oder andere schon Rückenschmerzen und im schlimmsten Fall sogar einen Bandscheibenvorfall. Bei gleicher Energiezufuhr trotz mangelnder Bewegung werden wir übergewichtiger und fettleibiger. Kurzum: Bewegungsmangel schädigt unsere Gesundheit und führt früher zum Tod. Durch Sport und regelmäßiger Bewegung kann man diesen Problemen aber entgegenwirken.

Natürlich muss man die Umstände immer individuell betrachten. Viele würden sich gerne mehr bewegen, können aber aufgrund der Berufstätigkeiten nicht anders. Es gibt aber für alles eine Lösung. Ich habe wieder fünf Ideen mitgebracht, wie wir uns mehr bewegen können oder andere in Bewegung bringen.

Gesundheits- und Bewegungsprojekte in Kitas und Schulen

Gerade für unsere Jüngsten sind Sport und Bewegung extrem wichtig. Nicht nur um all die oben genannten Risiken zu verhindern, sondern vor allem für eine positive Entwicklung des Gehirns und der Persönlichkeit. Dennoch haben rund 20 % der Jungen und Mädchen gesundheitliche Auffälligkeiten (Poethko-Müller, Kuntz, Lampert & Neuhauser 2018). Deswegen ist es so wichtig, dass Kinder bereits früh sportlich gefördert werden und sich viel bewegen.

Es gibt bereits viele gute Beispiele aus Kitas und Schulen, wie Bewegung in den Alltag integriert wird. Wandertage werden umgesetzt oder Projektwochen mit den Themen „Bewegung und Gesundheit“ gestartet. Berlin hat seit 2003 ein eigenes Landesprogramm „Gute gesunde Schule“, welches die Gesundheit der Schüler und Schülerinnen u. a. durch Bewegung oder Suchtprävention fördert. Wir könnten noch ganz viele, tolle Beispiel auflisten. Dennoch besteht an den meisten Kitas und Schulen in puncto Bewegungs- und Gesundheitsförderung deutlicher Handlungsbedarf. Dort gilt es die Leitungen für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam nach guten Lösungen, wie z. B. Projekttagen oder kleinen positiven Änderungen im Alltag, zu suchen.

Vorbild sein für unseren Nachwuchs

Wenn es um die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen geht, muss man ziemlich schnell den Fokus auf die Eltern rücken. Die Erwachsenen sind maßgeblich für die Gesundheit ihrer Kinder verantwortlich. Natürlich spielen auch die sozialen Medien und Technologien, die es heutzutage gibt, eine große Rolle. Den wichtigsten Part in puncto Vorbild übernehmen aber immer die Eltern. Sie entscheiden, ob ihr Kind in einen Sportverein geht oder nicht. Wie man mit einem Handy umgeht oder nicht. Sie leben vor, wie man sich ernährt oder wie viel Netflix geschaut wird. Bereits Kleinkinder können ganz gut registrieren, ob die Mutter oder Vater nur auf das Handy schaut oder den Blickkontakt zum Kind aufnimmt.

Wir kennen eigentlich den richtigen Weg und wissen, dass es gesünder und sportlicher geht. Doch lassen wir uns oftmals von dem einfacheren Weg ableiten. Lieber Couch statt Spielplatz. Schokolade statt Obst und Gemüse. Auto statt Fahrrad. Es ist so einfach, doch leider so schädlich für die Entwicklung unserer Kinder und natürlich auch für unsere Gesundheit. Seid ein bewegungsfreudiges, gesundes Vorbild für eure Kinder und nutzt die tollen Wanderwege oder Fahrradrouten, die es überall gibt. Bewegt euch gemeinsam, weil dann macht es am meisten Spaß.

Aktive Bewegungspausen

Wir schreiben gerade einen Text und wollten eigentlich schon vor zehn Minuten eine kleine Pause einlegen. Doch bevor es in die Pause geht, muss der Text fertig sein und die E-Mail abgeschickt werden. So ist es oft am Arbeitsplatz. Leider vergessen wir aber auch oft unsere Gesundheit. Anstatt mal die Beine zu vertreten oder frische Luft zu schnappen, bleiben wir dann lieber sitzen, um eine Tätigkeit zu beenden. Die Arbeit muss ja schließlich getan werden. Wir sollten aber mehr auf unseren Körper und auf unser Bauchgefühl hören. Beide geben uns relativ schnell zu verstehen, wann ein Limit erreicht ist und wir uns in Bewegung versetzen sollten. Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Antriebslosigkeit sind dringend ernstzunehmende Zeichen unseres Körpers.

Spätestens nach 90 Minuten, so sagt man, ist die Konzentrationsfähigkeit vorerst aufgebraucht und benötigt eine Pause. Dann gilt es, einfach aufzustehen und an der frischen Luft sich für 10 bis 15 Minuten zu bewegen. Manchen hilft auch eine feste Zeit im Kalender, wann sie aufstehen und sich bewegen. Wie man es macht, ist jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur, die Pausen ernst zu nehmen und aktiv zu nutzen. Die Vorteile liegen nicht nur einer verbesserten Leistung nach der Pause, sondern auch in einer viel besseren Laune. Darüber freuen sich dann wiederum eure Kollegen.

Mehr Gesundheitsförderung in den Betrieben

Der Arbeitgeber sollte eigentlich ein Interesse an der Gesundheit seiner Arbeitnehmer haben. Tatsächlich gibt es aber in nur jedem 4. Unternehmen ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement (Statista, 2023). Gesundheitsförderung wird also doch nicht so großgeschrieben, wie es eigentlich sein sollte.

Gerade in Zeiten der Enttabuisierung von psychischen oder körperlichen Problemen müsste sich doch jeder Chef oder Personalleiter mehr mit der Gesundheit seiner Arbeiter auseinandersetzen und Gesundheitsförderung groß auf die Fahne schreiben. Was nützt es mir, wenn mein Zimmermann mit Mitte 40 einen kaputten Rücken hat und seinen Job nicht mehr ausüben kann? Genau deshalb braucht es ein Umdenken und mehr Gesundheitsförderung in den Betrieben. Und zwar in allen Betrieben und allen Branchen.

Jeder Schritt ist besser als kein Schritt!

Die obligatorische Marke bzw. Hürde von 10.000 Schritten pro Tag bringt viele zum Verzweifeln. Um die Marke zu verstehen, hilft ein Blick zur Entstehung. Zu den Olympischen Spielen 1964 in Tokio erfand ein japanischer Uhrenhersteller den ersten Schrittzähler. Dabei setzte der Chef der Firma auf 10.000 Schritte, die nach seinem Ermessen nach sehr gesund und Ausdruck eines gesunden Lebensstils seien. Die Wissenschaft hat diesen Marketing-Trick widerlegt und gezeigt, dass auch weniger Schritte gesundheitsfördernd sind und letztendlich jeder Schritt zählt.

Die Regel lautet also: Jeder Schritt ist besser als kein Schritt! Allein ein 5-minütiger Spaziergang um den Block reicht aus, um die Risiken von Gesundheitsgefährdungen zu senken. Und wenn ihr schon dabei seid, wollt ihr nach den 5 Minuten gar nicht mehr aufhören.

Bewegung ist nicht das Zählen von Schritten, die man erreicht. Gerne könnt ihr euch eine Route von 5 km oder eine Zahl von 10.000 Schritten pro Tag als Ziel setzen. Das Entscheidende ist aber das Wohlbefinden, das Erlebnis der Natur und das Köpergefühl bei Bewegungen. Ihr fühlt euch einfach wohl in eurem Körper. Setzt euch ein Zeitfenster, wo ihr normalerweise nur auf der Couch rumliegt, plant dort euren Spaziergang oder eure „Gassi-Runde“ und dann geht’s los.

Quellen:

Manz, K. et al. (2014). Körperlich-sportliche Aktivität und Nutzung elektronischer Medien im Kindes- und Jugendalter. Ergebnisse der KiGGs-Studie-Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1). Bundeshesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 57(7): 840 bis 848

Poethko-Müller, C., Kuntz, B., Lampert, T. & Neuhauser, H. (2018). KiGGS Welle 2 – Erste Ergebnisse aus Querschnitt- und Kohortenanalysen. Journal of Health Monitoring 3(1), S. 8–14.

Robert-Koch-Institut (Hrsg). (2014). Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. RKI. Berlin

Statista. (2024). Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche Büro und Sekretariat in Deutschland von 2012 bis 2022. Aufgerufen am 30.01.2024 unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/168203/umfrage/beschaeftigte-in-der-branche-sekretariats-und-schreibdienste/

Statista & Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung. (2023). In welchem Rahmen wird in Ihrem Unternehmen Betriebliches Gesundheitsmanagement bzw. Gesundheitsförderung umgesetzt? Aufgerufen am 31.01.2024 unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1402741/umfrage/umfrage-zur-umsetzung-von-bgm-und-bgf-in-deutschen-unternehmen/