Bereits in Teil 1 meines Blogs (Wie sich der Sport in ländlichen Regionen weiterentwickeln kann) hatte ich angesprochen, dass Kommunen sportfachliche Kompetenz benötigen. Das gilt natürlich auch für den Gesundheitssektor. Momentan sollte es in vielen Kommunen eigentlich so ablaufen, dass die kommunalen Verwaltungen und Politik die Voraussetzungen für das Sporttreiben schaffen, Sportvereine die Pläne in den vorhandenen Sportstätten durch ausgebildete Übungsleiter umsetzen und Bildungseinrichtungen die Kinder und Jugendlichen durch ausgebildete Sportlehrer im Sportunterricht ausbilden.

Wenn es so einfach wäre, dann würden wir die Diskussion über die Probleme Bewegungsmangel, falsche Ernährung und einer Zunahme von chronischen Erkrankungen aktuell nicht führen. Sport- und Gesundheitsförderung funktionieren in Kommunen aktuell nicht. Genau deshalb muss gehandelt werden und kommunale Gesundheitsförderung sowie Sportentwicklung als wichtige Bestandteile von Kommunalentwicklung betrachtet werden.

Damit jede Kommune den Wert einer „Gesunden Kommune“ erkennt, braucht es in jeder Gemeinde oder Stadt Sport- und Gesundheitsentwickler. Warum das absolut Sinn macht und wie Kommunen das angehen können, werde ich nun erläutern.

Kommunale Gesundheitsförderung als Chance sehen

Die Zunahme von chronischen Krankheiten, die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit und die Krise des Gesundheitssystem lassen uns Bürgerinnen und Bürger immer unruhiger werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, Gesundheits- und Präventionsaufgaben in der Kommunalpolitik zu verankern und kommunale Gesundheitsförderung endlich umzusetzen. Gesundheitsrelevante Themen betreffen nicht nur das örtliche Gesundheitsamt bzw. den Gesundheitsdiensten. Auch alle anderen Ämter wie Jugend, Soziales, Bildung, Umwelt, Stadtentwicklung oder Wirtschaft müssen sich mit Gesundheitsthemen auseinandersetzen. Nicht nur, weil die eigenen Mitarbeiter von Erkrankungen betroffen sind, sondern weil es um die Zukunft der Kommune geht.

Natürlich stehen die lokalen Politiker vor vielen Herausforderungen. Auf der einen Seite stehen die Chancen der Gesundheit und die Vorteile einer ganzheitlichen Gesundheitspolitik. Auf der anderen Seite herrscht wirtschaftliche Tristesse. Ein Sport- oder Gesundheitsentwickler kann für die verschiedenen Akteure vor Ort als Mediator fungieren und die Wege zu einer „Gesunden Kommune“ aufzeigen. Selbstverständlich geht das nicht von heute auf morgen. Es lohnt sich aber auf jeden einen Experten vor Ort zu haben, der genau weiß, wie kommunale Gesundheitsförderung verankert werden kann.

Gesundheitliche und soziale Ungleichheit angehen

Viele Studien haben gezeigt, dass zwischen Armut und Gesundheit ein Zusammenhang besteht. Wichtige Punkte sind dabei der Bildungsstand, die berufliche Stellung und das Einkommen der Personen. Menschen mit weniger Geld in der Tasche, treiben weniger Sport und leben ungesünder. Männer im unteren Einkommensbereich sterben sogar 11 Jahre früher als Männer im oberen Einkommenssektor. Bei Frauen liegt der Unterschied bei 8 Jahren (Lampert & Kroll, 2010).
Man kann definitiv von einer sozialen Ungerechtigkeit sprechen, die in Deutschland herrscht. Dieses Problem muss angegangen werden.

Wir benötigen niedrigschwellige, bedarfsgerechtere Angebote für Personen aus sozial schwierigen Lagen. Sportvereine oder Gesundheitsanbieter sind oftmals überfragt, hilflos oder skeptisch, wenn es um neue Angebote geht. Ein Sport- und Gesundheitsentwickler kann dabei helfen, welche Möglichkeiten in anderen Kommunen erfolgreich sind, wie die sogenannten „Best-Practice-Beispiele“ umgesetzt werden können und welchen Nutzen die Organisationen davon haben. Am Ende geht es vor allem um eins, die soziale und gesundheitliche Ungleichheit konstruktiv anzugehen.

Verwaltungen entlasten durch „Partizipation“

Die Hauptschwerpunkte der Kommunen liegen vor allem in der Instandhaltung und dem Bau von Sportstätten sowie der Fördermittelvergabe an die Sportvereine. Doch wer ist dafür zuständig? In vielen Fällen sitzt dafür nur ein Mitarbeiter in der Verwaltung, der allerdings nebenbei auch noch für die Verwaltung der Schulen und einigen weiteren Themen verantwortlich ist. Wenn man Glück hat und eine Stadt sich sportaffin zeigt, gibt es einen Stab von zwei, drei oder mehreren Mitarbeitern, die nur für den Sport fungieren. Wenn man Pech hat, was leider die Regel in den meisten Kommunen ist, gibt es nur einen Mitarbeiter oder gar keinen. Da diese Personen dann meistens gar nicht im Sport verankert sind und keine Ausbildung im Sport durchlaufen haben, fehlt oftmals das Wissen, wie man die Vereine besser unterstützen oder Sportstätten effizienter pflegen kann und dabei sehr viel Geld spart.

Gerade für die chronisch überlasteten Verwaltungen wäre ein erheblicher Bürokratieabbau ein erster Schritt. Zusätzliche Stellen zu schaffen, scheint für den ersten Schritt aufgrund der klammen Kassen utopisch für die meisten Behörden. Deshalb gilt es neue Wege zu finden und zu erforschen. An dieser Stelle könnte das Schlagwort „Partizipation“ fallen. Durch das Einbinden und Partizipieren der Bürgerinnen und Bürger oder der Sportorganisationen kommen neue Ideen zustande, die die Verwaltung allein nicht finden kann. Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich „gehört“ und können die Sportentwicklung und Gesundheitsförderung der Kommune mitgestalten. Außerdem kann die Kommune die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Ein Sport- und Gesundheitsentwickler kennt die Akteure vor Ort, vernetzt sie und ist als Mediator wichtiger Bestandteil der Entwicklungen.

Digitalisierung und Technologien sinnvoll implementieren

Ein Fußballrasenplatz kann ganz schön ins Portemonnaie gehen. Für die Pflege der Rasenfläche werden ca. 22.000 € pro Jahr ausgegeben, wenn nicht sogar noch mehr (Büro Hoppe, 2024). Hinzu kommt die Arbeitszeit der Personen, die den Platz mit ihren Rasentraktoren in Stand halten und natürlich auch Geld kosten. Die Zeit- und Geldausgaben würde man als Verwaltung ganz gerne sparen und eventuell an anderen Stellen in der Kommune einsetzen. Die gute Nachricht ist, dass das auch möglich ist. Heutzutage kann man mittels technischer Möglichkeiten wertvolle Zeit und Geld sparen. Mähroboter, die nicht nur den Rasen schneiden können, sondern sogar die Linien markieren. Sportstätten-Apps, die den Bürgerinnen und Bürger anzeigt, wann die Sporthalle belegt und wann zur Verfügung steht. Die Rasenbewässerung in Stadien kann problemlos über Apps gesteuert werden, sofern man eine unterirdische Bewässerungsanlage in den Rasenplatz einpflegt.

Das sind alles keine Wunderwerke und sind an vielen Orten schon vorhanden. Vor allem ist zu erwähnen, dass es sich auch lohnt, weil es einfach Geld, Zeit und Aufwand spart. Ein Sport- und Gesundheitsentwickler kennt die Vorteile der Digitalisierung und kann aufzeigen, wie nachhaltiges Sportstättenmanagement funktioniert. Gerade darum geht es doch in Zeiten wie diesen, um Nachhaltigkeit.

Mehr Sport- und Gesundheitsexperten in den Gemeinden

Die fehlende Lobby des Sports in der Politik ist wahrscheinlich dem geschuldet, dass der Sport nur freiwillige kommunale Aufgabe ist. Sportstätten sind aber vielerorts in einem sehr schlechten Zustand. In Berlin dürfen Schüler nicht mal mehr die Sporthalle betreten und müssen, wenn sie Glück haben, per Busshuttle in eine andere Sporthalle gefahren werden (Vieth-Entus, 2022). Die Hofpausen finden gar nicht erst draußen statt, weil das Schulgelände bröckelt. In Deutschland haben wir bei Sportstätten schätzungsweise einen Investitionsstau von über 31 Mrd. € (Deutscher Olympischer Sportbund et al., 2018). Wo soll das noch hinführen? Klar kostet die Sanierung Geld. Mit weniger als 1 Million Euro kann man heutzutage keine Sporthalle oder Kunstrasenplatz mehr bauen. Aber was ist teurer? Mehr als 1 Million Euro für den Bau einer Sportstätte in die Hand zu nehmen oder 300 Kinder, die kein Sport machen können und unter chronischen Bewegungsmangel leiden. Die Antwort sollte klar sein.

Ein Experte im Sport- und Gesundheitsbereich setzt genau da an, wo die kommunale Verwaltung aufhört, und geht sogar noch mehrere Schritte weiter. Er berät Sportvereine im Bereich der Mitgliedergewinnung, er macht sich in der Politik für Sport- und Gesundheitsanbieter stark und er unterstützt Schulen im Gesundheitsmanagement. Dadurch können mehr Kinder, Erwachsene und Senioren Sport treiben, das Image einer Region steigert sich, die Menschen leben gesünder, sind zufriedener, Wirtschaftsimpulse werden gesetzt, Krankheitskosten werden gesenkt, die Bildung wird massiv gefördert und so weiter. Die Liste könnte noch ewig fortgeführt werden. Kurzum: Ein Sport- und Gesundheitsentwickler ist Treiber einer ganzen Region.

Es ist an der Zeit, dass wir mehr in Sport und Gesundheit investieren und in jeder Gemeinde-, Stadt- oder Kommunalverwaltung einen Sport- und Gesundheitsexperten integrieren. Damit Politik und Verwaltung davon überzeugt werden, müssen engagierte Bürger und Bürgerinnen die Verantwortlichen für diese Themen sensibilisieren. Wir müssen einander zuhören und die Dinge konstruktiv angehen. Dann können viele gesellschaftliche und gesundheitliche Probleme gelöst werden.

Quellen:

Deutscher Olympischer Sportbund, Deutscher Städtetag & Deutscher Städte- und Gemeindebund. (2018). Bundesweiter Sanierungsbedarf von Sportstätten. Kurzexpertise. Aufgerufen am 08.02.2024 unter https://cdn.dosb.de/user_upload/www.dosb.de/Sportentwicklung/Sportstaetten/Sanierungsbedarf_DOSB-DST-DStGB.pdf

Lampert, T. & Kroll, L. (2010). Armut und Gesundheit. Aufgerufen am 08.02.2024 unter https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/3090/29wYJ9AaKy3gU.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Planungsbüro G. & L. Hoppe. (o. D.). Naturrasen, Tennenfläche und Kunstrasen im Vergleich. Aufgerufen am 08.02.2024 unter https://www.buero-hoppe.de/sportstaettenbau/naturrasen-tennenflaeche-und-kunstrasen-im-vergleich/

Vieth-Entus, S. (2022). Keine Sporthalle vor Ort und vergessene Schüler. Der Fall eines Gymnasiums zeigt, was bei der Schuloffensive falsch laufen kann. Aufgerufen am 08.02.2024 unter https://www.tagesspiegel.de/berlin/zu-wenig-platz-und-vergessene-schuler-wie-der-fall-eines-berliner-gymnasiums-zeigt-was-bei-der-schulbauoffensive-falsch-laufen-kann-483711.html